Frühjahrskonzert

Frühjahrskonzert der SJK

Sie sind wieder da! Mit einem fulminanten Frühjahrskonzert leitete die Stadtjugendkapelle am Sonntagabend in der vollbesetzten, Heinrich-Lades-Halle in Erlangen ihre diesjährige Konzertsaison ein.
Unter dem Motto „Bolero & Co.“ sorgten etwa 160 junge Musiker unter der Leitung von vier Dirigenten zusammen mit einigen Gästen für ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm auf hohem Niveau.
Clemens Vykydal eröffnete das Konzert mit seinem Schülerorchester zusammen mit der Bläserklasse der Realschule am Europakanal unter der Leitung von Renate Aßmann. Die Kinder sind im Schnitt 10 – 12 Jahre alt und spielen seit etwa eineinhalb Jahren ihr Instrument. Das Frühjahrskonzert war ihre große Premiere, die besser kaum hätte laufen können. Anfangs sichtlich noch aufgeregt und nervös, steigerten sie sich bei ihrem Eröffnungsstück „El Tango“ von Takt zu Takt. Bei „(Do you want) salsa with that?“ boten sie die perfekte Big Band für Solist Norbert Engelmann und seine Posaune. Spätestens bei „Evil Ways“ von Sonny Henry war dann der Funken auch beim Letzten im Publikum übergesprungen. Der lang anhaltende Applaus bestätigte: tolle Premiere, starke Leistung!
Nicht zum ersten Mal auf der Bühne stand das Jugendorchester unter der Leitung von Andrea Kürten. Mit „España Cañi“ von Pascual Marquina Narro entführten sie das Publikum nach Spanien. Es handelt sich hierbei um den heute wohl bekanntesten Paso Doble, einer tänzerischen Interpretation des Stierkampfes, bei der der Herr den Torero und die Dame das rote Tuch, eine Flamencotänzerin oder den Schatten des Toreros darstellen. Es folgten Highlights aus Georges Bizets Oper „Carmen“, bei denen wohl so mancher am liebsten mit gesummt hätte. „Fiesta la Vida“ hieß es im Anschluss. Das ließen sich die Musiker nicht zwei Mal sagen, wobei „Fiesta la Musica“ es wohl noch besser treffen würde. Besonders die Schlagzeuger und Trompeter waren hier voll in ihrem Element und rissen nicht nur das restliche Orchester mit. Überhaupt blühte das Orchester mit jedem Stück mehr auf und zeigte wie vielfältig es ist. Nach Cuba ging die Reise mit „Mambo Cubano“, bei dem vor allem die Percussion-Instrumente zur Geltung kamen. Auch das Publikum hielt sich nun nicht mehr zurück, sondern klatschte und wippte mit den Füßen. Dieser Musik konnte man sich nicht entziehen. Zum Abschluss gab es noch einmal „Musik zum Wohlfühlen“ mit dem durch Santana berühmt gewordenen „Oye como va“. Die Stücke wurden in Eigenregie von einzelnen Orchestermitgliedern schon fast professionell anmoderiert. Andrea Kürten lobte voller Stolz ihr Orchester für dessen großartige Leistung: „Ihr wart fantastisch gut!“
Für die erste Zugabe holte sie sich Unterstützung von den Trompetern des 1. Orchesters. „Mouth piece mania“ zeigte auf amüsante Weise, dass man nicht unbedingt die Trompete als Ganzes beherrschen muss, um bei der Stadtjugendkapelle mitspielen zu können. Das Mundstück reicht eigentlich auch schon aus. Da im Anschluss hieran die Rufe nach einer Zugabe immer noch nicht verstummten, gab es schließlich noch den Hit „Clocks“ der britischen Pop-Rock-Band Coldplay in der Orchesterfassung.
Der zweite Teil des Konzertes gehörte der Bläserphilharmonie unter der Leitung von Norbert Engelmann. Für den Anfang hatten sie sich etwas Besonderes überlegt: eine kleine Combo aus Klarinetten, Trompeten, Saxofonen, Posaune, Horn und Tuba eröffnete den Teil gemeinsam mit dem „Piranha Social Club“ und einer flotten und mitreißenden Version des aktuellen Hits „Little Talks“. Leider ging die Musik im Trommelwirbel der „Piranhas“ fast unter, die es ein wenig zu gut meinten.
Bei „Danzas Cubanas“ konnte man sich gleich von der Vielfältigkeit der Bläserphilharmonie überzeugen. Ein Orchester ist nur so gut wie seine einzelnen Mitglieder. Dass diese hervorragende Musiker sind, zeigten bereits hier die Solisten Sven Meschede (Posaune), Julia Böhringer (Querflöte) und Johannes Feyrer (Trompete). Das Orchester ist ausgewogen, gut aufeinander abgestimmt und hochkonzentriert. Es bescherte dem Publikum eine abwechslungsreiche und spannende Reise durch Spanien und Lateinamerika.
Der „Boléro“ von Maurice Ravel ist wohl eines der bekanntesten Stücke überhaupt. Dabei hatte es der Komponist selbst eher als Etüde, denn als konzertantes Stück angesehen. Die große Schwierigkeit, eine immer wiederkehrende Melodie jedes Mal aufs Neue interessant zu machen, meisterte das Orchester bravourös. Keine Spur von Nervosität zeigten die drei Solisten Sophia Merkl (Querflöte), Stefanie Römmelt (Es-Klarinette) und Marcel Doudieh (Saxofon), die fast allein auf der Bühne standen, bis diese sich nach und nach wieder mit Musikern füllte.
Im Anschluss lud die Bläserphilharmonie das Publikum ein zu einem sommerlichen Spaziergang durch die spanische Stadt Granada mit dem gleichnamigen Stück des mexikanischen Komponisten Agustín Lara.
Kaum jemand, der „Don’t cry for me Argentina“ aus dem Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber nicht kennt. Wieder einmal konnte Norbert Engelmann Cornelia Schmid für den Gesang gewinnen. Mit ihrer gefühlvollen und zugleich starken Stimme war sie die Idealbesetzung für dieses berühmte Werk. Elegant tänzerisch umgesetzt wurde es von Erik Neumayr und Keziban Ipek.
Heiße Rhythmen versprach „Conga“ von Enrique Garcia. Spätestens jetzt hielt es kaum mehr einen noch auf seinem Stuhl, viele folgten endlich der Einladung des Orchesters und der Sängerin Cornelia Schmid, doch zur Musik zu tanzen. Eine lange „Conga Line“, angeführt von den beiden anderen Orchestern, tanzte durch den Saal, auch in den Reihen tanzten, wippten, schnipsten die Zuhörer. Die Stimmung war wie die Musik ausgelassen und fröhlich. Der Schlussapplaus wollte nicht enden, die Bläserphilharmonie musste gleich mehrere Zugaben spielen, auch die kleinere Besetzung mit den „Piranhas“ durfte noch einmal. Diesmal stimmte das Verhältnis von Trommeln und Bläsern.
Ein kleiner Junge brachte den Abend auf den Punkt: „Das war cool!“
Wer dabei war, wird den Abend so schnell nicht vergessen. Allen anderen kann man nur raten, sich das nächste (Frühjahrs-)Konzert nicht entgehen zu lassen!

Text: Katharina Feyrer
Bilder: Wolfgang Niewelt/Werner Meschede

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